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Rhus hirta

1 Beschreibung der Art

Rhus hirta (L.) Sudw. (Anacardiaceae), Essigbaum, Hirschkolben-Sumach

1.1 Aussehen

Der Essigbaum ist ein sommergrüner Strauch. Er erreicht eine Höhe von bis zu 5, selten bis zu 10 Metern. An seinen samtig behaarten Trieben stehen wechselständige Blätter, die unpaarig gefiedert sind und sich aus 11 bis 31 länglich-lanzettlichen Fiederblättchen zusammensetzen. Die oberseits sattgrünen und unterseits hell graugrünen Blätter sind anfangs behaart, können später teilweise verkahlen. Ihr gesägter Rand unterscheidet sie eindeutig von den Blättchen des Götterbaumes ( Ailanthus altissima), mit dem der Essigbaum teilweise verwechselt wird, ebenso seine geringere Größe und die seiner Blätter und der nicht baumförmiger Wuchs. Die orangefarbene bis scharlachrote Herbstfärbung der Blätter macht ihn besonders im Herbst zu einem attraktiven Ziergehölz. Nach Abfallen der Blätter hinterlassen die Blattstiele hufeisenförmige Blattnarben an den Ästen. Die unscheinbaren Blüten sind 2-häusig und stehen in dichten, stark behaarten, endständigen Rispen. Männliche Blüten haben gelblichgrüne, weibliche haben rote Kronblätter. Bei Reife der Nussfrüchte nehmen die kolbenähnlichen Fruchtstände eine dunkelrote Farbe an. Die kolbenartigen Fruchtstände bleiben auch über den Winter erhalten und verleihen der Pflanze dann in Verbindung mit der geweihartigen Verzweigung der Äste ein besonders markantes Aussehen, von dem sich auch der Name Hirschkolben-Sumach ableitet.

 Floraweb-Fotos der Art

1.2 Taxonomie

Der Essigbaum gehört zur Familie der Anacardiaceae. Von der Gattung Rhus gibt es weltweit ca. 250 Arten, die in den Tropen, Subtropen und der temperierten Zone verbreitet sind. Ein häufiges Synonym ist Rhus typhina L.

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1.3 Herkunftsgebiet

Der Essigbaum stammt aus dem östlichen Nordamerika. Er kommt dort auf nährstoffreichen Böden v.a. an Flussufern oder in Sümpfen vor. Aber auch an trockenen steinigen Wuchsorten ist er zu finden.

1.4 Biologie

Der Essigbaum ist ein sommergrüner, frostharter Strauch. Er blüht von Juni bis Juli. Seine Blüten werden von Insekten bestäubt. Früchte reifen im mitteleuropäischen Klima kaum aus. Durch sein weit reichendes Wurzelsystem mit sehr widerstandsfähigen Schösslingen kann er leicht verwildern und über sein weit reichendes, dichtes Wurzelsysteme Polykormone ausbilden, die große, artenarme Dominanzbestände zur Folge haben. Er ist besonders widerstandsfähig gegen Immissionen.

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2 Vorkommen in Deutschland

2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege

Der Essigbaum wurde in Europa 1602 in Paris im Vespasian Robin´schen Garten eingeführt, kam dann 1629 nach England und 1661 nach Holland. 1676 wurde er erstmals für Deutschland in Altdorf kultiviert, 1746 wurde er in Helmstedt eingeführt und gelangt 1808 in den Karthäusergarten zu Eisenach. Wegen seines auffälligen Aussehens und seiner Widerstandsfähigkeit gegen Luftverschmutzungen wird er gerne als robuste Begrünung von städtischen Lebensräumen sowie in Gärten und Parkanlagen angepflanzt, besonders in den Jahren von 1960-70. Der Essigbaum gilt als Trachtpflanze für Bienen. Verwilderungen in der freien Landschaft gehen vor allem auf Verschleppung von Schösslingen oder Wurzelteilen durch Kompost, Bodenmaterial oder Gartenabfälle zurück, z.B. auf brachgefallenen Flächen. Ausbreitung über Sämlinge geschieht selten.

2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz

Der Essigbaum kommt heute in Deutschland zerstreut vor allem in den wärmeren und dicht besiedelten Gebieten Deutschlands vor, er gilt noch nicht als fest etabliert, sondern als in Einbürgerung befindlich. Die Pflanze erfährt heute eine Renaissance als Ziergehölz in Gärten, Kleingärten und Grünanlagen. In der Imkerei wird er zudem als Trachtpflanze verwendet. Daher ist zukünftig mit einer verstärkten Ausbreitung zu rechnen, wobei die Verbreitung des Essigbaumes bisher nur unvollkommen erfasst ist.

 Verbreitungskarte aus FloraWeb

2.3 Lebensraum

Der Essigbaum hat geringe Ansprüchen an Bodenfruchtbarkeit und –feuchtigkeit, benötigt aber viel Licht und ist folglich auf unbeschatteten, frischen bis trockenen Standorten mit lockeren Böden besonders konkurrenzstark. Vorkommen sind daher vor allem von Sekundärlebensräumen wie Deponien, Schutt- und Kompostablagerungen oder Straßenböschungen bekannt. Außerdem kommt er als Kulturrelikt im Siedlungsraum oder in aufgegebenen Klein-, Feld- und Bienengärten vor.

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2.4 Status und Invasivität der Art in benachbarten Staaten

In der Schweiz ist der Essigbaum eine Art der Schwarzen Liste und gilt als invasiv, in Litauen als potentiell invasiv. In den westlichen und südöstlichen Nachbarländern Deutschlands treten stellenweise Verwilderungen auf. Auch in Nord- und Osteuropa kommt die Art selten vor (z.B. Dänemark, Schweden, Litauen, Polen).

3 Auswirkungen

Der Essigbaum bildet ein dichtes Wurzelsystem und kann durch zahlreiche Wurzelschösslinge große Dominanzbestände aufbauen. Intensive Durchwurzelung und Beschattung unterdrücken lichtliebende Arten der Krautschicht und führen zu einem verarmten Arteninventar.

3.1 Betroffene Lebensräume

Bisher sind Vorkommen des Essigbaums nur von Sekundärlebensräumen wie aufgelassene Gärten, Straßenränder, Deponien oder sonstigen Ablagerungsflächen bekannt.

3.2 Tiere und Pflanzen

Großflächige Dominanzbestände des Essigbaums führen zur Ausdunklung der Krautschicht und können daher die Artenvielfalt einschränken.

3.3 Ökosysteme

Auswirkungen auf Stoffkreisläufe sind nicht bekannt.

3.4 Menschliche Gesundheit

Der Essigbaum kann bei oraler Aufnahme zu Magen- und Darmbeschwerden führen, und der Milchsaft kann Haut-/ Augenentzündungen hervorrufen. Trotzdem ist seine Giftigkeit fraglich und nur bei Aufnahme größerer Mengen gegeben.

3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Fruchtstände des Essigbaumes sind ein Zusatz bei der Essigherstellung. Blätter und Holz dienen zum Gerben und Parfümieren von Tabak. Negative wirtschaftliche Auswirkungen sind nicht bekannt.

4 Maßnahmen

Da der Essigbaum bisher keine Naturschutzkonflikte verursacht, besteht die Chance, durch Vorsorgemaßnahmen eine Anpflanzung in der freien Natur zu verhindern. Bei Vorkommen auf naturschutzrelevanten Flächen sollten umgehend Managementmaßnahmen erfolgen.

4.1 Vorbeugen

Die Propagierung des Essigbaums als empfehlenswerter Zierstrauch sollte unterbleiben. Insbesondere sollten keine Anpflanzungen, z.B. auch als Trachtpflanze, außerhalb des besiedelten Bereiches erfolgen, was ohnehin genehmigungspflichtig ist. Mit Wurzeln kontaminierte Erde und ausgerissene Pflanzenteile sollten nicht kompostiert, sondern über den Hausmüll entsorgt oder verbrannt werden.

4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung

Da bisher keine Vorkommen in naturschutzrelevanten Lebensräumen bekannt sind, besteht auch kein Anlass für Managementmaßnahmen. Treten Vorkommen in naturschutzwürdigen Gebieten auf, sind die geplanten Maßnahmen gegen unerwünschte Nebeneffekte abzuwägen und die Finanzierung der Bekämpfung über den gesamten notwendigen Zeitraum gesichert sein.

4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung

Praktische Erfahrungen mit der Bekämpfung in Deutschland liegen noch nicht vor. Auf Grundlage der Erfahrungen mit Gehölzen mit vergleichbarer Biologie (Polykormonbildung) kann aber empfohlen werden, die Polykormone zu roden und das intensive Wurzelsystem soweit möglich auszugraben. Eine Nachpflege der wieder austreibenden Wurzeln durch Mahd ist über mehrere Jahre sicherzustellen. Der Einsatz von Herbiziden ist nur im begründeten Einzelfall zu erwägen bzw. sollte vorsichtig durch Auftragen auf die Schnittfläche nach Rodung (d.h. nicht über Besprühen der Blätter) erfolgen.

 

5 Weiterführendes & Kontakte

5.1 Literatur & Links

  • Roth, L., Daunderer, M. & K. Kormann (1994): Giftpflanzen, Pflanzengifte – Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und Phototoxische Reaktionen. Ecomed, Landsberg, S. 1092.

Infoblatt zum Essigbaum der Schwarzen Liste der Schweiz ( pdf, 0,2 MB)

5.2 Kontakte

Derzeit ist kein Experte benannt.

Wenn Sie praktische Erfahrungen mit der Art haben, wäre die Redaktion von Neobiota.de für diesbezügliche Informationen dankbar: [ Kontakt]

5.3 Autoren

Dieser Artensteckbrief wurde 2006 erstellt von:

Annemarie Radkowitsch, forumNatur Pforzheim, [ Kontakt]