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Echinops spaerocephalus

1 Beschreibung der Art

Echinops sphaerocephalus L. (Asteraceae), Drüsige Kugeldistel

1.1 Aussehen

Mehrjährige, meist hapaxanthe (nach einmaliger Blüte absterbende) Staude, 50-200 (300) cm hoch. Blüten in kugeligen (bis 6 cm im Durchmesser), graublauen Gesamtblütenständen. Diese werden oft von den Blütenköpfen seitlich unterhalb entspringender Zweige überragt. Blätter bis 40 cm lang, fiederteilig, dornig, unterseits spinnwebig filzig, oberseits dicht drüsenhaarig. Stängel oberwärts dicht braunrot drüsenhaarig, nur im oberen Teil verzweigt.

Der ähnlich aussehende Echinops exaltatus Schrad. unterscheidet sich durch fehlende Drüsen, sowie durch weniger und größere Blütenköpfe, die nicht von den seitlichen überragt werden. Außerdem gibt es einen in den Merkmalen intermediären Bastard zwischen diesen beiden Arten.

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1.2 Taxonomie

In Baden-Württemberg im Gebiet des Kaiserstuhls tritt eine ausdauernde Sippe dieser Art auf, die aber taxonomisch nicht eigenständig ist.

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1.3 Herkunftsgebiet

Das natürliche Areal von E. sphaerocephalus reicht von Nordost-Spanien bis nach Südwest-Asien. Seine Nordgrenze ist umstritten. Auch in den angrenzenden Ländern (Polen, Tschechien) ist der Status unsicher.

1.4 Biologie

Die Kugeldistel ist eine mehrjährige Staude, die mindestens zwei, oft aber noch mehr Jahre bis zur Blüte benötigt und danach abstirbt. Ihre Wurzel ist zu einer Rübe verdickt. Die Blüten werden hauptsächlich von Bienen und Wespen bestäubt. Die Blütezeit erstreckt sich von Ende Juni bis in den August. Danach zerfallen die Blütenköpfe und setzen die seidenhaarigen Früchte frei. Diese sind auf Klettverbreitung ausgerichtet und keimen sehr leicht. Als kurzlebige Art ist Echinops sphaerocephalus auf eine regelmäßige generative Vermehrung angewiesen.

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2 Vorkommen in Deutschland

2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege

Der Status der Art ist umstritten. Während Meusel & Jäger (1992) sowie Rothmaler (2005) die Art für die Umgebung des Harzes als Archäophyt angeben, führen alle deutschen Bundeslandfloren sie als Neophyt. Sie war bereits Mitte des 16. Jahrhunderts im Gebiet eine beliebte Gartenzierpflanze. Noch im 18. Jahrhundert wird sie nur als Gartenpflanze geführt. Der erste Nachweis einer Verwilderung aus Thüringen stammt aus dem Jahr 1832. Alle Vorkommen in Deutschland gehen ursprünglich wohl auf Verwilderungen aus Gärten bzw. auf gezielte Anpflanzungen durch Imker zurück.

2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz


Echinops sphaerocephalus ist in Deutschland weit verbreitet. Die Art hat in den trocken-warmen Gebieten (z.B. Rhein- und Maintal, hercynisches Trockengebiet) stabile Populationen mit selbständiger Vermehrung aufbauen können. In den anderen Regionen Deutschlands bleiben die Vorkommen oft unbeständig. E. sphaerocephalus dürfte die Gebiete mit ihm zusagenden Bedingungen bereits ziemlich vollständig besiedelt haben. Als wärme liebende Art könnte E. sphaerocephalus in Zukunft von der Klimaveränderung profitieren und ihr Areal noch weiter ausdehnen.

 Verbreitungskarte aus FloraWeb

2.3 Lebensraum

Die Kugeldistel besiedelt bevorzugt offene, nährstoff- und basenreiche, lockere Sand-, Kies- und Lehmböden in warmen Lagen. Oft steht sie in Ruderalgesellschaften auf Schuttplätzen, Bahndämmen und Böschungen. Von dort aus dringt die Art auch in angrenzende Halbtrockenrasen ein. Aufgrund ihrer Kurzlebigkeit benötigt sie Lebensräume mit gelegentlichen Störungen, in denen durch Bodenverwundungen neue Ansiedlungsmöglichkeiten entstehen.

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2.4 Status und Invasivität der Art in benachbarten Staaten

Da die Kugeldistel in einigen der südlich angrenzenden Staaten als heimisch angesehen wird, gibt es von dort wenig Aussagen zur Invasivität. In Tschechien gilt sie als invasiver Neophyt. In der Schweiz wird sie außerhalb des natürlichen Areals gelegentlich angepflanzt und verwildert. Für Südengland wird sie als Gartenflüchtling, der an wenigen Stellen an Eisenbahnen und Straßenrändern verwildert ist, genannt.

3 Auswirkungen

Sicherlich aufgrund der umstrittenen Statuseinstufung wurde der Kugeldistel bisher noch nicht so viel Aufmerksamkeit wie anderen invasiven Neophyten gewidmet. In der Literatur finden sich nur wenige Informationen zu ihrem Einfluss auf andere Organismen und zu Bekämpfungsmöglichkeiten.

3.1 Betroffene Lebensräume

Von der Kugeldistel sind in erster Linie wärmegetönte Ruderalgesellschaften aus dem pflanzensoziologischen Verband Onopordion (Eselsdistelfluren) betroffen. Hier baut sie große Bestände auf, die zur Verdrängung anderer Arten beitragen können. Außerdem kann die Art von hier aus in oftmals angrenzende Halbtrockenrasen einwandern und deren Struktur verändern.

3.2 Tiere und Pflanzen

Da die Bestände von Echinops sphaerocephalus meist recht licht sind, ist die Verdrängungswirkung auf andere Arten nicht so stark, wie bei einigen anderen invasiven Neophyten. Entsprechende Untersuchungen sind bisher aber noch nicht durchgeführt worden.

3.3 Ökosysteme

Bisher wurden keine konkreten Einflüsse der Kugeldistel auf ganze Ökosysteme bekannt.

3.4 Menschliche Gesundheit

Es sind keine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit bekannt.

3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen

Es sind noch keine Untersuchungen über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Art durchgeführt worden.

4 Maßnahmen

Echinops sphaerocephalus kann zwar in klimatisch günstigen Regionen auch Dominanzbestände bilden, doch bleiben diese meist so licht, dass darin eine ganze Reihe weiterer Arten auftreten. Bekämpfungsmaßnahmen erscheinen nur sinnvoll, wenn die Gefahr besteht, dass angrenzende, wertvolle Biotope besiedelt werden. Außerdem können Populationen bedrohter Arten wärmegetönter, ruderal beeinflusster Standorte (z.B. Marrubium vulgare) durch das Zurückdrängen der Kugeldistel indirekt gefördert werden.

4.1 Vorbeugen

Das Ausbringen von gebietsfremden Pflanzen in der freien Natur ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 40 Abs. 4) grundsätzlich genehmigungspflichtig. Auf jede Ausbringung der Kugeldistel sollte verzichtet werden, insbesondere sollte sie nicht in Saatgutmischungen für Blühstreifen oder zur Förderung nektarsuchender Insekten bzw. der Imkerei enthalten sein.

4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung

Da die Verbreitung der Art über Samen erfolgt, spielt die Verbringung unterirdischer Teile an neue Standorte kaum eine Rolle. Die Bekämpfung kann sich deshalb auf die oberirdischen Pflanzenteile konzentrieren.

4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung

Es sind noch keine Untersuchungen über die Bekämpfungsmöglichkeiten der Art bekannt geworden. Als kurzlebige Art ist sie aber auf ständigen Nachschub von Samen angewiesen. Eine regelmäßige Mahd zur Verhinderung der Diasporenbildung drängt die Kugeldistel daher zurück und kann grundsätzlich zu ihrem vollständigen Verschwinden führen. Die Mahd muss mindestens zweimal während der Vegetationsperiode erfolgen, da einmalige Mahd durch die Bildung von Nachtrieben kompensiert werden kann. Möglich ist auch ein gezieltes Ausreisen der Pflanzen vor der Blüte. Wie lange diese Maßnahmen bis zu einem Verschwinden der Kugeldistel durchgeführt werden müssen, bleibt noch zu untersuchen.

5 Weiterführendes & Kontakte

5.1 Literatur & Links

  • Hendrych, R. (1987): Einige Bemerkungen zu den Echinops-Arten in der Tschechoslowakei. Preslia 59: 135-154.
  • Hügin, G. & Lohmeyer, W. (1993): Bastardbildung und intraspezifische Sippengliederung bei Echinops sphaerocephalus (Asteraceae, Cardueae) in Mitteleuropa. Willdenowia 23: 83-89.
  • Krausch, H.-D. (2003): „Kaiserkron und Päonien rot …“ Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen.
  • Meusel, H. & Jäger, E. J. (1992): Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Band 3.
  • Pysek, P., Sadlo, J. & Mandat, B. (2002): Catalogue of alien plants of the Czech Republic. Preslia 74: 97-186.
  • Rothmaler, W. (Begr.) 2005: Exkursionsflora von Deutschland. Ed. 10. 4 Gefäßpflanzen: Kritischer Band. (ed. Jäger, E. J. & Werner, K.). München.
  • Westhus, W.; Fritzlar, F.; Klaus, S.; Nöllert, A.; Wiesner, J.; Knorre, D. von; Zimmermann, W.; Müller, R. (2006): Bedrohen invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen unsere heimische Natur? Ein Situationsbericht aus Thüringen. - Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen 43 (1): 1-19.

5.2 Kontakte

Derzeit ist kein Experte benannt.

Wenn Sie praktische Erfahrungen mit der Art haben, wäre die Redaktion von Neobiota.de für diesbezügliche Informationen dankbar: [ Kontakt]

5.3 Autoren

Dieser Artensteckbrief wurde 2003 erstellt von:

Dr. Heiko Korsch, Themar, für forumNatur Pforzheim, [ Kontakt]

letzte Aktualisierung: 02.08.2011  (Stefan Nehring)