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Acer negundo

1 Beschreibung der Art

Acer negundo L. (Aceraceae), Eschen-Ahorn 

Acer negundo ist ein kleiner oft mehrstämmiger Baum. Er wird in der Regel bis 6, selten bis 25 m hoch. Die Zweige sind kahl und glänzend, besonders die jungen Zweige sind oft bläulich oder weißlich bereift. Die Blätter ähneln Eschenblättern (Name!): sie sind unpaarig, 3-7-zählig gefiedert, die Fiederblättchen selbst sind mitunter 2-3-lappig. Der Eschen-Ahorn ist zweihäusig: Die Blüten in hängenden Blütenständen erscheinen vor den Blättern. Die weiblichen Blütenstände sind Trauben, die männlichen kurze büschelige Rispen. Beide haben 4-6 Staubblätter (übrige Ahorn-Arten im Gebiet haben 8 Staubblätter), die Kronblätter fehlen. Die geflügelten Teilfrüchte sind länglich und werden mit ihren spitzwinkligen Fruchtflügeln ca. 3 cm lang. 

 Floraweb-Fotos der Art

1.2 Taxonomie

Der Eschen-Ahorn ist der einzige Ahorn mit gefiederten Blättern. Er wurde deshalb von verschiedenen Autoren auf Gattungsrang getrennt (z.B. Negundo aceroides Moench). Heute sind diese Synonyme nicht mehr in Gebrauch. 

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1.3 Herkunftsgebiet

Der Eschen-Ahorn stammt aus Nordamerika. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Kanada bis Kalifornien, vom Atlantik bis zu den Rocky Mountains. Er war hier ursprünglich auf Auwaldgesellschaften beschränkt, in denen er als Pionier seltener Bestandteil der Baumschicht war. Nach Veränderungen der Vegetation im Zuge der Besiedlung durch Europäer breitete er sich auf ruderale Standorte und in Prärien aus. Dadurch und durch Anpflanzung hat er auch innerhalb Nordamerikas Gebiete erreicht, in denen er nicht natürlich vorkam. 

1.4 Biologie

Acer negundo ist als kurzlebige Art an die Dynamik der Auen-Standorte seiner ursprünglichen Heimat angepasst. Ein weiblicher Baum kann über 20.000 Früchte bilden, die mit dem Wind ausgebreitet werden. Die Ansprüche an den Boden für Keimung und Etablierung sind unspezifisch, auf hohe Nährstoffgehalte reagiert er mit starkem Wachstum und kann bereits im Alter von 5 Jahren fruchten. Auf Verletzung durch natürliche Faktoren oder bei Bekämpfungsversuchen reagiert er mit Stockausschlag. 

Als Auenpflanze kann er sehr unterschiedliche und schwankende Wasserstände ertragen, von der Überstauung bis zur Dürre. Im Laufe der Sukzession wird er durch konkurrenzkräftige Arten schnell verdrängt, die Keimlinge unterliegen schnell wachsenden krautigen Pflanzen. Ausgewachsene Bäume werden kaum 50 Jahre alt und werden so von längerlebigen Bäumen abgelöst. 

Anders als andere Ahorn-Arten ist A. negundo ausschließlich windbestäubt. 

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2 Vorkommen in Deutschland

2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege

Die erste Erwähnung des Eschen-Ahorns in Europa betrifft einen Garten in England 1688. 1690 war er in Holland, 1699 auch in Deutschland bekannt. Durch sein schnelles Jugendwachstum wurde er schnell als Garten- und Parkbaum beliebt und entsprechend häufig gepflanzt – auch in zahlreichen gärtnerischen Varietäten, z.B. mit panaschierten Blättern. Forstliche Versuchsanbauten verliefen unbefriedigend und trugen nicht sehr zu seiner Ausbreitung in Europa bei. 

2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz

Der Eschen-Ahorn ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Es ist anzunehmen, dass er in Europa sein potentielles Areal bereits ausfüllt. In Gebieten, in denen er heute nicht häufig ist, ist jedoch mit weiterer Zunahme der Fundorte zurechnen. 

 Verbreitungskarte aus FloraWeb

2.3 Lebensraum

Auch standörtlich zeigt die Art in Europa ein breites Spektrum. Wegen seines Vorkommens auch in naturnahen Auenwäldern gilt er in Deutschland als Agriophyt. Daneben wächst er in vielen Siedlungsbiotopen, in Hecken, Forsten und sogar in Sandtrockenrasen. 

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2.4 Status und Invasivität der Art in benachbarten Staaten

Der Eschen-Ahorn ist heute in vielen europäischen Ländern fest eingebürgert. In einigen Ländern wird er als problematisch empfunden, so gilt er in Österreich als problematisch für den Naturschutz, in der Schweiz steht er auf der "Watch-List" besonders zu beobachtender Neophyten. Im Osten reicht sein synanthropes Areal bis nach Sibirien. 

3 Auswirkungen

Dominanzbestände des Eschen-Ahorns sind artenarm. In naturnahen Biotopen, die auch anderen Gefährdungen unterliegen, kann er zur Gefährdung von Arten beitragen. Angesichts seiner Kurzlebigkeit und Konkurrenzschwäche sind seine Auswirkungen jedoch wohl geringer als häufig angenommen wird. 

3.1 Betroffene Lebensräume

In vielen Lebensräumen bleibt die Ausbreitung des Eschen-Ahorns ohne große Konsequenzen für einheimische Arten. In naturnahen Auen kann er jedoch zur Gefährdung von Arten beitragen. Am Oberrhein wächst er in der oberen Weidenaue und der unteren Hartholzaue und bildet z.B. auf der Mannheimer Reißinsel größere Bestände. 

3.2 Tiere und Pflanzen

Dichte Bestände des Eschen-Ahorns sind artenärmer als andere Auwaldgesellschaften. Wie sehr er damit zum Rückgang von Arten beiträgt, ist nicht genügend untersucht. An manchen Orten nimmt er den Platz von zurückgegangenen einheimischen Bäumen ein, wie Silberweiden oder Ulmen. Diese sind jedoch nicht durch den Eschen-Ahorn, sondern durch andere Faktoren zurückgedrängt worden: Durch das Ulmensterben bzw. die Flussregulierung mit ausbleibender Überschwemmung, wodurch die offenen Stellen, die Weiden und Pappeln zur Keimung benötigen, seltener geworden sind. 

3.3 Ökosysteme

Keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten. 

3.4 Menschliche Gesundheit

Keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten. 

3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen

Über die Bekämpfungskosten hinaus sind keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten. 

4 Maßnahmen

Acer negundo gehört zu den Neophyten, deren Bekämpfung z.B. im Nationalpark Donau-Auen gefordert wird. Ob großflächige Bekämpfungsmaßnahmen notwendig und zielführend sind, ist aus verschiedenen Gründen fraglich: eine Verdrängung von Arten ist nicht sicher dokumentiert, die vielfältigen anthropogenen Veränderungen in Flussauen sind ein größeres Problem für den Naturschutz als die Anwesenheit des Eschen-Ahorns. Auch ist der Erfolg der Bekämpfung zweifelhaft, wenn wegen der Häufigkeit des Eschen-Ahorns in vielen Gebieten ständig mit Nachschub von Diasporen zu rechnen ist. 

4.1 Vorbeugen

Das Ausbringen von gebietsfremden Pflanzen in der freien Natur ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 40 Abs. 4) grundsätzlich genehmigungspflichtig. Besonders in der Nähe von Auen sollte auf die Anpflanzung des Eschen-Ahorns verzichtet werden. 

4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung

Ein vollständiges Zurückdrängen etablierter Dominanzbestände des Eschen-Ahorns aus naturnahen Auwaldbeständen ist kaum zu erreichen. Im Einzelfall kann Bekämpfung von Samenbäumen als Biotopschutz sinnvoll sein, z. B. wenn gleichzeitig einheimische Bäume zur Bestandssicherung gepflanzt werden. 

4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung

Es sind nur wenige Erfahrungen mit der Bekämpfung von A. negundo veröffentlicht. In Berliner Naturschutzgebieten werden Jungpflanzen gerodet und samentragende Bäume gefällt, um der Verdichtung der Bestände entgegenzuwirken. Wegen des starken Stockausschlags und wegen der Wiedereinwanderung aus angrenzenden Beständen müssen diese Maßnahmen wiederholt werden bzw. sind dauerhaft notwendig. Über deren Kosten ist nichts bekannt. 

5 Weiterführendes & Kontakte

5.1 Literatur & Links

  • Baumgärtel, R. (2008): Der Eschen-Ahorn (Acer negundo) am nördlichen Oberrhein. Beitrag zur naturschutzfachlichen Einschätzung eines Neophyten. Botanik und Naturschutz in Hessen 21: 5-9.
  • Drescher, A. & Magnes, M. (2002): Anthropochoren im Nationalpark Donau-Auen – Ziel von Bekämpfungsmaßnahmen oder Bereicherung der Biodiversität? BAL Bericht über das 10. Österreichische Botanikertreffen vom 30. Mai bis 1. Juni 2002 in Gumpenstein: 141–144.
  • Kowarik, I. (2003): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Ulmer, Stuttgart. S. 195 ff.
  • Overton, R. P. (1990): Acer negundo L. U.S. Department of Agriculture, Forest Service. ( Link)
  •  Amerikanische Seite über den Eschen-Ahorn

5.2 Kontakte

Derzeit ist kein Experte benannt.

Wenn Sie praktische Erfahrungen mit der Art haben, wäre die Redaktion von Neobiota.de für diesbezügliche Informationen dankbar: [ Kontakt

5.3 Autoren

Dieser Artensteckbrief wurde 2003 erstellt von:
Dr. Uwe Starfinger & Prof. Dr. Ingo Kowarik, Institut für Ökologie, TU Berlin
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letzte Aktualisierung: 02.08.2011 ( Stefan Nehring