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Oncorhynchus mykiss

1 Beschreibung der Art

Oncorhynchus mykiss (Walbaum, 1792) (Salmonidae) Regenbogenforelle (D), rainbow trout (E)

1.1 Aussehen

Oncorhynchus mykiss (Walbaum, 1792) (Salmonidae) Regenbogenforelle (D), rainbow trout (E)

Fotos: Oncorhynchus mykiss

Die Regenbogenforelle hat einen torpedoförmigen Körper, wobei dieser seitlich zusammengedrückt und somit leicht hochrückig ist. Der Stiel des im Gaumendach befindlichen Pflugscharbeins ist bezahnt. Körperbau, Maulgröße und Färbung können stark variieren, da die europäischen Populationen Mischformen darstellen, basierend auf unterschiedlichen Nordamerikanischen Stämmen und dementsprechend unterschiedlich in Aussehen und Verhalten sind. Daher variiert die Grundfärbung von vorwiegend silbrig bis hin zu purpur-violett. In der Regel weisen die Fische jedoch ein breites rötlich-violett schillerndes Band entlang den Körperseiten auf. Zur Laichzeit kann die rot-violette Färbung stark intensiviert sein. Bei Juvenilstadien ist dies oft nur ein schmaler orangeroter Längsstreifen in der Körpermitte. Kopf, Körper, Rücken, Fett- und Schwanzflosse sind mit schwarzen Flecken und Punkten gesprenkelt. Jungfische weisen darüber hinaus große hellgraue bis graue Flecken an den Flanken auf, die sich über die gesamte Körperhöhe erstrecken. Entlang der Seitenlinie befinden sich 120 bis 160 kleine Schuppen. Die Anzahl der Flossenstrahlen (Hart-/Gabelstrahlen) ist in der Flossenformel angegeben (D/C/P/V/A =Rücken-, Schwanz- Brust-, Bauch- und Afterflosse).
Je nach Gewässertyp können Maximalgrößen zwischen 30 und 150 cm bei einem Gewicht von bis zu 20 kg erreicht werden. In unseren Flüssen erreichen kapitale Forellen bis zu 13 kg Gewicht.

Flossenformel:

                      D IV/9-10
            -------------------------  C 0/19
            P I/12; V I/8; A III/10-11

Verwechslungsmöglichkeit:

Bach-/Seeforelle (Salmo trutta): kein rötlich-violett schillerndes Längsband, bei Juvenilstadien kein orangeroter Längsstreifen in Körpermitte, rote Punkte zumindest bei der Bachforelle meist vorhanden, keine schwarzen Punkte und Flecken auf der Schwanzflosse
Huchen (Hucho hucho): Keine schwarzen Punkte auf der Rücken, Fett- und Schwanzflosse, Stiel des Pflugscharbeins ist stets unbezahnt, mindestens 180 Schuppen entlang der Seitenlinie

1.2 Taxonomie

Die Regenbogenforelle gehört zur Familie der lachsartigen Fische (Salmonidae). Ursprünglich der Gattung Salmo (Lachse) zugeordnet, zählt die Art nun zu den Pazifiklachsen (Oncorhynchus). Wie bei der Bachforelle werden gelegentlich unterschiedliche Lebensformen auch namentlich getrennt. Die folgenden wissenschaftlichen Synonyme sind bekannt ( www.fishbase.org):

Onchorynchus mykiss (Walbaum, 1792)
Salmo mykiss Walbaum, 1792
Oncorhynchus myskis (Walbaum, 1792)
Parasalmo mykiss (Walbaum, 1792)
Onchorrhychus mykiss (Walbaum, 1792)
Salmo penshinensis Pallas, 1814
Parasalmo penshinensis (Pallas, 1814)
Salmo purpuratus Pallas, 1814
Oncorhynchus gairdnerii (Richardson, 1836)
Salmo gairdneri Richardson, 1836
Fario gairdneri (Richardson, 1836)
Salmo gairdnerii Richardson, 1836
Salmo gairdnerii gairdnerii Richardson, 1836
Salmo gairdneri irideus Gibbons, 1855
Salmo gairdnerii irideus Gibbons, 1855
Trutta iridea (Gibbons, 1855)
Salmo iridea Gibbons, 1855
Salmo irideus Gibbons, 1855
Salmo rivularis Ayres, 1855
Salmo truncatus Suckley, 1859
Salmo masoni Suckley, 1860
Salmo kamloops (Jordan, 1892)
Oncorhynchus kamloops Jordan, 1892
Salmo rivularis kamloops (Jordan, 1892)
Salmo gairdneri shasta Jordan, 1894
Salmo gilberti Jordan, 1894
Oncorhynchus mykiss nelsoni Evermann, 1908
Salmo nelsoni Evermann, 1908
Salmo irideus argentatus Bajkov, 1927
Salmo kamloops whitehousei Dymond, 1931

1.3 Herkunftsgebiet

Das natürliche Vorkommen dieser Art liegt im Westen Nordamerikas, von Alaska bis nach Mexiko (Page & Burr 1991). Es gibt zwei Formen, die sich in ihrer Lebensweise sehr stark unterscheiden: die stationäre Form "Shasta-Forelle" (lebt und reproduziert in Seen und Fließgewässern) und die anadrome Wanderform "Steelhead", die den größten Teil ihres Lebens im Meer verbringt und zum Laichen ins Süßwasser wandert. Die europäischen Bestände sind eine Kreuzung der Stammform (Wanderform ähnlich der Meerforelle), und der reinen Süßwasserform (ähnlich unserer Bachforelle).

1.4 Biologie

Durch die starke züchterische Beeinflussung gibt es je nach Zuchtmaterial auch große Unterschiede in der Laichzeit, manche Stämme laichen schon im November, andere erst im April/Mai. Im Allgemeinen wird die Regenbogenforelle als Frühjahrslaicher eingestuft. Beim Laichakt schlagen Rogner und Milchner mit der Schwanzflosse eine Laichgrube in das kiesig-schotterige Sohlsubstrat. Pro Weibchen werden ca. 1.600-2.000 Eier/kg Körpergewicht abgegeben. Die Larven sind zum Schlupfzeitpunkt (nach ca. 300 Tagesgraden) mit einem großen Dottersack ausgestattet und verbleiben bis zu dessen Aufzehrung im Interstitial. Wie bei der Bachforelle, werden Exemplare in Seen meist größer als jene in Flüssen (McDowall 1990).


Reproduktionsgilde: lithophil, Brutverstecker (Spindler 1995)
Habitatgilde: indifferent/rheopar/geringer Strukturbezug (Zauner & Eberstaller 1999)

2 Vorkommen in Deutschland und Österreich

2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege

Die Einfuhr von Regenbogenforellen erfolgte primär zur Ertragssteigerung und Bereicherung der Fischgewässer. Die Art wurde weltweit, in gemäßigten und subarktischen Breiten, besetzt. Nach von Behr (1882) und Musseleck (1902) importierte der deutsche Ökonomierat Haack Pfingsten 1882 rund 400 lebende Eier von Salmo irideus [Anm: = O. mykiss], aus denen 256 Regenbogenforellen erbrütet werden konnten. Die Angabe Pfingsten 1881 in Salomon (1906) ist offensichtlich nicht richtig. 1884 gelangten Eier von inzwischen laichreifen Tieren aus der deutschen Zucht nach Österreich-Ungarn. In weiterer Folge gelangte Material von Deutschland nach Schweden (1892), Dänemark (1894) und Finnland (1898). In Großbritannien wurden erstmals 1884 Eier aus Nordamerika importiert (MacCrimmon 1971). In diesem Zeitraum gelangte die Art auch nach Polen und über Dänemark nach Norwegen (1902) und Island (1951) (Jonsson 2006). Um anfängliche Degenerationserscheinungen zu überwinden, wurden später noch mehrfach, 1911, 1923, 1924 und 1928, neue Eier in großer Anzahl aus Kalifornischen Gewässern importiert (Seligo 1931).
Nach wie vor wird die Art, mitunter in großen Mengen, in Fließgewässer zur Ertragssteigerung (Angelfischerei) besetzt, ein Vorhaben das bereits 1928 in Frage gestellt wurde: „… sind Unsummen mit der amerikanischen Regenbogenforelle in unseren Flüssen davongeschwommen.“ (Jacob 1928). Das Entkommen aus Zuchtanstalten (Jonsson et al. 1993b; Hindar et al. 1996) spielt in Mitteleuropa daher eher eine untergeordnete Rolle.

2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz

Deutschland:

Insgesamt 350.000 befruchtete Eier der Regenbogenforelle wurden ab 1882 durch den Deutschen Fischereiverein eingeführt (von Debschitz 1897). Bereits 1886 war eine „größere Zahl“ laichreifer Exemplare vorhanden, um sie in Forellenbächen heimisch zu machen (von dem Borne 1886). 1887 erfolgte der erste belegte Besatz in einem Bach des bayerischen Alpenvorlandes (Anonymus 1887). Zehn Jahre später nennt sie von Debschitz (1897) als „in einer Anzahl deutscher Flüsse eingebürgert“. In Sachsen versuchte man 1911 die Elbe-Fischerei durch den Besatz mit Regenbogenforellen zu fördern, um den Rückgang der Lachse auszugleichen. Diese in den Folgejahren verschiedentlich wiederholte Maßnahme war wirtschaftlich jedoch ohne Erfolg (Bauch 1958).
Heute ist die Regenbogenforelle mit aktuell 5.872 bundesweit dokumentierten Vorkommen die am weitesten verbreitete, gebietsfremde Fischart. Sie ist darüber hinaus die wichtigste Wirtschaftsfischart der kommerziellen Binnenfischerei in Deutschland, mit einer Gesamtproduktion von 21.148 t im Jahr 2003. Allerdings wird die Etablierung der Art in offenen Gewässern kontrovers diskutiert. Obgleich zahlreiche Beobachtungen laichreifer Exemplare vorliegen, ist die Existenz sich selbst erhaltender Populationen umstritten (Freyhof 2002; Geiter et al. 2002). In einigen Gewässern Oberbayerns pflanzt sich die Regenbogenforelle eigenständig fort, aber der Großteil der bayerischen Vorkommen stammt aus sehr intensiven Besatzmaßnahmen (Leuner et al. 2000). Reproduzierende Regenbogenforellen-Vorkommen wurden auch in verschiedenen kleinen bis mittelgroßen Fließgewässern Baden-Württembergs beobachtet (Dußling & Berg 2001). In der Weißen Elster in Sachsen gab es wohl einen selbst reproduzierenden Bestand (Füllner et al. 1996), wobei aktuell nur von Indizien für eine erfolgreiche Reproduktion der Art berichtet wird (Füllner et al. 2005). Inwieweit die genannten Populationen über zwei bis drei Generationen ohne Besatzmaßnahmen fortbestehen können, wäre zu prüfen. In Tieflandforellenbächen hat der Verzicht auf Besatz mit Regenbogenforellen zum Verschwinden der Art geführt, während reproduktive Bachforellenbestände in den gleichen Gewässern weiterhin präsent sind. Immer mehr Bundesländer untersagen in ihren Fischereiordnungen den Besatz mit Regenbogenforellen in Gewässern mit reproduzierenden Äschen- und Bachforellenbeständen, weshalb langfristig insbesondere in Fließgewässern mit hoher Gewässergüte langfristig ein Rückgang der Art erwartet wird, was ebenfalls gegen ihre erfolgreiche Etablierung sprechen würde (Füllner et al. 2005).

Österreich:

1884 wurden Eier von laichreifen Tieren aus deutscher Zucht nach Österreich-Ungarn eingeführt. 1885 wurde die Art in der Vöckla und umliegenden Teichen bei Neukirchen gezüchtet (Hemsen 1964). In Österreich liegen Reproduktionsnachweise aus freier Wildbahn seit den 1970er-Jahren (z. B. Kleine Erlauf,) vor (IHG-Fischdatenbank). Heute ist die aus Nordamerika stammende Regenbogenforelle in praktisch allen Fließgewässern der Forellen- und Äschenregion Österreichs verbreitet (Spindler 1995). Die Mur wurde bereits 1924 mit Regenbogenforellen besetzt, besonders intensiv in den 1940er- und 1950er-Jahren (Reimer 1964). Bis etwa in die 1970er-Jahre basierte der Regenbogenforellenbestand in der Oberen Mur auf Besatz, eine eigenständige Vermehrung konnte lange Zeit nicht belegt werden. In historischen Aufzeichnungen ist jedoch schon für die 1930er-Jahre ein Kollaps der Murfischbestände beschrieben, ausgelöst durch die Furunkulose, die mit der Regenbogenforelle eingeschleppt wurde (Wieland 1998). Mittlerweile erreicht die Regenbogenforelle in der Oberen Mur bis zu 40 % Bestandesanteil und weist eigenständige Reproduktion auf (Unfer et al. 2005; Wiesner et al. 2005).
Aus der Kleinen Erlauf gibt es Hinweise auf Reproduktion in freier Wildbahn seit den späten 1970er-Jahren (Jungwirth et al. 1980), in der Alm ist die Reproduktion seit 1985 belegt (HaFiDat-Datenbank, BOKU, unveröff.). Gegenwärtig liegen auch aus vielen anderen Gewässern, z. B. Drau (Unfer et al. 2004), Gail, Lammer (Hauer 2007), Lafnitz (Wolfram & Mikschi 2007) und Alm (Siligato & Gumpinger 2004) Nachweise reproduzierender Bestände vor.

Verbreitungskarten: siehe Anhang

Analyse der Rasterfrequenzen

In Deutschland:

Zeitraum Nachgewiesene Vorkommen Raster Rasterfrequenz (%)
1961 - 1970 26 35 0,30
1971 - 1980 419 340 2,89
1981 - 1990 2848 1940 16,48
1991 - 2000 1567 1648 14,00
ab 2001 1003 576 4,89
gesamt 5872 2695 22,89

Rund 23 % aller Kartenraster bilden einen positiven Regenbogenforellennachweis ab. Das Gros dieser Nachweise resultiert aus kontinuierlichem Besatz. Aufgrund der wenigen Hinweise auf natürliche Reproduktionen im Bearbeitungsgebiet, dürfte der Anteil etablierter Populationen sehr gering sein.

In Österreich:

Zeitraum Nachgewiesene Vorkommen Raster Rasterfrequenz (%)
1971 - 1980 4 4 0,2
1981 - 1990 113 82 3,1
1991 - 2000 433 339 12,9
ab 2001 417 243 9,3
gesamt 761 513 19,5

Im Zeitraum 1971-2007 enthielten rund 19,5 % aller Kartenraster in Österreich den Nachweis der Regenbogenforelle. Gemessen an den tatsächlich beprobten Rasterfeldern, beträgt die Frequenz 67,4 %. Auffällig ist bei beiden Frequenzen ein Rückgang innerhalb der beiden letzten Dekaden (von 12,9 % auf 9,3 % bzw. von 78,3 % auf 58,3 %). Hierfür könnte zwar eine geänderte Besatzwirtschaft (vermehrt einheimische Bachforellen anstelle der Regenbogenforelle) verantwortlich sein, jedoch aufgrund der geografischen Verteilung der nicht besetzten Probestellen ab 2001 (z. B. Wald- und Weinviertel, Donau), ist eher von einer Lebensraum bedingten Absenz auszugehen.
Mit Ausnahme der ersten Dekade, in der nur 4 Rasterfelder beprobt wurden, lässt sich die Rasterfrequenz der Regenbogenforelle auf Basis der Bioregionen nach Dekaden getrennt analysieren. Über den gesamten Zeitraum fallen die Regionen Nördliches Granit- und Gneishochland, Pannonische Flach- und Hügelländer sowie Südöstliches Alpenvorland durch unterdurchschnittliche Rasterfrequenzen auf. Der bereits oben erwähnte Zusammenhang des Frequenzrückgangs mit geänderten fischereilichen Bewirtschaftungsstrategien wird hier durch die Tatsache gestützt, dass auch in den „Hochburgen“ des Regenbogenforellen-Verbreitungsgebietes in Österreich der Trend zu rückläufigen Rasterfrequenzen ersichtlich ist.

Betrachtungseinheit 1981-1990 1991-2000 ab 2001 Gesamt
Klagenfurter Becken 55 55 55 55
positiv 6 18 5 23
beprobt 12 27 14 37
Rasterfrequenz (%) 10,9 32,7 9,1 41,8
Rasterfrequenz beprobt (%) 50,0 66,7 35,7 62,2
Mittlere und westliche Nordalpen 304 304 304 304
positiv 8 39 33 61
beprobt 11 41 45 76
Rasterfrequenz (%) 2,6 12,8 10,9 20,1
Rasterfrequenz beprobt (%) 72,7 95,1 73,3 80,3
Nördliches Alpenvorland 204 204 204 204
positiv 13 46 38 73
beprobt 15 53 55 91
Rasterfrequenz (%) 6,4 22,5 18,6 35,8
Rasterfrequenz beprobt (%) 86,7 86,8 69,1 80,2
Nördliches Granit- und Gneishochland 291 291 291 291
positiv 3 24 18 39
beprobt 7 48 61 99
Rasterfrequenz (%) 1,0 8,2 6,2 13,4
Rasterfrequenz beprobt (%) 42,9 50,0 29,5 39,4
Östliche Nordalpen 317 317 317 317
positiv 9 82 66 119
beprobt 9 87 79 134
Rasterfrequenz (%) 2,8 25,9 20,8 37,5
Rasterfrequenz beprobt (%) 100 94,3 83,5 88,8
Betrachtungseinheit 1981-1990 1991-2000 ab 2001 Gesamt
Pannonische Flach- und Hügelländer 307 307 307 307
positiv 0 14 10 21
beprobt 0 28 63 84
Rasterfrequenz (%) 0,0 4,6 3,3 6,8
Rasterfrequenz beprobt (%) - 50,0 15,9 25,0
Südalpen 100 100 100 100
positiv 10 15 6 22
beprobt 16 18 6 28
Rasterfrequenz (%) 10,0 15,0 6,0 22,0
Rasterfrequenz beprobt (%) 62,5 83,3 100 78,6
Südöstliches Alpenvorland 167 167 167 167
positiv 0 9 2 10
beprobt 0 17 10 25
Rasterfrequenz (%) 0,0 5,4 1,2 6,0
Rasterfrequenz beprobt (%) - 52,9 20,0 40
Zentralalpen südöstlicher Teil 340 340 340 340
positiv 20 43 23 62
beprobt 28 54 31 84
Rasterfrequenz (%) 5,9 12,6 6,8 18,2
Rasterfrequenz beprobt (%) 71,4 79,6 74,2 73,8
Zentralalpen zentraler Teil 540 540 540 540
positiv 13 49 42 83
beprobt 15 60 53 103
Rasterfrequenz (%) 2,4 9,1 7,8 15,4
Rasterfrequenz beprobt (%) 86,7 81,7 79,2 80,6

 2.3 Lebensraum

Es werden sauerstoffreiche, kühle fließende und stehende Gewässer besiedelt. Als Optimaltemperatur für Wachstum gelten 17 °C, zum Ablaichen hingegen 12 °C. Grundsätzlich werden aber sommerliche Spitzen bis 25 °C überlebt.

2.4 Status und Invasivität der Art

Die Angaben über den Etablierungsstatus einzelner Länder in  www.fishbase.org sind diskussionswürdig, zumal Länder mit ähnlichen klimatischen Bedingungen und vermutlich ähnlicher Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte hierzu unterschiedliche Angaben machen (siehe Tabelle). In der Schweiz wird die Art als etabliert eingestuft, jedoch fehlen nähere Angaben zur Invasivität (Wittenberg et al. 2005). Im österreichischen „Aktionsplan Neobiota“ wurde die Art als „potenziell invasiv“ bewertet (Essl & Rabitsch 2004). Nach Einstufung in den Schwarzen Listen für Deutschland und für Österreich gilt die Art in beiden Ländern als „invasiv“ (Nehring et al. 2010).
Verbreitungsstatus laut  www.fishbase.org1,  www.nobanis.org2,  www.europe-aliens.org (Stand Januar 2010), (C) Nehring et al. 2010, (D) siehe Text.

Land Etablierungsstatus Invasivität
fishbase nobanis europe-aliens andere Quellen
Belgien vermutlich etabliert (Nordsee marin–unbekannt) probably some1
Dänemark etabliert etabliert etabliert some1
Deutschland etabliert etabliert nicht etabliert etabliertC invasivC
Frankreich etabliert
Italien etabliert etabliert
Niederlande nicht etabliert (Nordsee marin–nicht etabliert)
Österreich etabliert etabliert ohne Statusangabe etabliertC potenziell invasiv2,D,
invasivC
Polen vermutlich nicht etabliert nicht etabliert etabliert probably some1
Schweiz etabliert unbekannt etabliertC potenziell invasiv2
Slowakei etabliert some1
Tschechien etabliert
Ungarn etabliert some1

3 Auswirkungen

Die Bestände in Deutschland und Österreich gelten als etabliert und verursachen, bei massenhaftem Vorkommen, Probleme durch Konkurrenz um Nahrung, Lebensraum und Laichplatz.

3.1 Betroffene Lebensräume

Dieser Fisch lebt in kalten, sauerstoffreichen, fließenden und stehenden Gewässern und verträgt höhere Wassertemperaturen als die Bachforelle. Unmittelbare Auswirkungen auf den Lebensraum selbst sind keine bekannt.

3.2 Tiere und Pflanzen

Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet kommt es zur Hybridisierung mit anderen Pazifiklachsen der Gattung Oncorhynchus, was mitunter eine hochgradige Gefährdung dieser Arten bedeutet (Page & Burr 1991). In Europa liegen keine Berichte über genetische Vermischung mit Forellenbeständen vor, da in der Regel die Laichzeiten nicht überlappen und es zudem nur wenig Hinweise auf eine natürliche Reproduktion gibt. Frühjahrslaicher wie Huchen oder Äsche können jedoch durch Habitat- oder Nahrungskonkurrenz gefährdet werden. Es gibt allerdings auch Hinweise aus Fischzuchten auf Regenbogenforellen, die im Herbst laichen und triploide Kreuzungen mit Bachsaiblingen erzeugen (Jonsson 2006). Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet kam es durch Besatz zur Verbreitung der Taumel- oder Drehkrankheit (durch Sporozoen hervorgerufene Krankheit, die zu einer torkelnden Schwimmweise führt) unter den natürlichen Populationen (McDowall 1990). In der Oberen Mur kam es in den 1930er-Jahren zum Kollaps der Fischbestände, ausgelöst durch die Furunkulose, die mit der Regenbogenforelle eingeschleppt wurde (Wieland 1998). Probleme können für Eier und Larven von Bachforellen (laicht im Herbst) im Interstitial entstehen, wenn diese beim Laichvorgang der Regenbogenforelle im Frühjahr die Gruben ins Substrat geschlagen werden. Bei Huchen und Äschen kann es zum direkten Überlaichen der bereits abgelegten Eier kommen (Jonsson et al. 1993a).

3.3 Ökosysteme

Keine Auswirkungen bekannt.

3.4 Menschliche Gesundheit

Keine Auswirkungen bekannt.

3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen

Als begehrte Trophäe der Fliegenfischerei und als wichtigste Wirtschaftsfischart der Binnenfischerei wird die Art massiv besetzt. Der jährliche Besatz in Österreich beträgt rund 234 Tonnen (Jagsch, mündl. Mitt. in Mikschi 2005). Dies kann, in bereits stark beeinträchtigten Gewässern ohne selbst erhaltende Äschen- und Forellenpopulationen eine vertretbare Nutzungsform darstellen, in anderen Fällen ist es jedoch ökologisch nicht vertretbar. Allerdings stellt der Besatz mit Regenbogenforellen eine geringere Gefahr dar, als nicht standortstypisches Material von autochthonen Arten (Holzer et al. 2004), da letzteres durch Einkreuzung zu einer Verfälschung des Genpools der autochthonen Population führen kann und in weiterer Folge zum Verlust der an lokale Verhältnisse optimal angepassten Individuen.

4 Maßnahmen

4.1 Vorbeugen

So nicht irreversible Lebensraumschädigungen einen natürlichen Fischbestand ausschließen (Holzer et al. 2004), ist jeglicher Besatz mit dieser Art zu unterlassen. Bei der Haltung und Erbrütung in Fischzuchten ist auf isolierte Haltung von natürlichen Gewässern zu achten.
Der rechtliche Status der Art in den Landesfischereigesetzen ist unterschiedlich und eine Harmonisierung unter Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips zum Schutz der heimischen Biodiversität ist anzustreben.

4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung

Es können generell nur präventive Maßnahmen, wie strenge Besatzrestriktion und entsprechende Exekution empfohlen werden.

4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung

So nicht der gesamte Wasserkörper trocken gelegt werden kann, um die Fische zu entnehmen, kann mittels Elektrofangmethode vorgegangen werden. Es ist jedoch nur in sehr kleinen Fließgewässern möglich den gesamten Bestand auf diese Weise zu erfassen. Meist kann nur eine Reduktion des Bestandes bewirkt werden. Eine Kostenschätzung ist nicht möglich, da diese Arbeiten personal- und geräteintensiv sind und, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, von sehr unterschiedlicher Effizienz gekennzeichnet sind.

 

5 Weiterführendes & Kontakte

5.1 Literatur & Links

  • Anonymus (1887): Bachsaibling und Regenbogenforelle. Allgemeine Fischerei-Zeitung 12: 361-363.
  • Bauch, G. (1958): Untersuchungen über die Gründe für den Ertragsrückgang der Elbfischerei zwischen Elbsandsteingebirge und Boizenburg. Zeitschrift für Fischerei NF 7: 161-437.
  • Dußling, U. & Berg, R. (2001): Fische in Baden-Württemberg. Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, Stuttgart.
  • Essl, F. & Rabitsch, W. (2004): Österreichischer Aktionsplan zu gebietsfremden Arten (Neobiota). Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien, 28 pp.
  • Freyhof, J. (2002): Freshwater fish diversity in Germany, threats and species extinction. In: Collares-Pereira, M.J., Cowx, I.G. & Coelho, M.M. (Hrsg.) Conservation of Freshwater Fishes: Options for the Future. Fishing News Books, Blackwell, Oxford, pp. 3-22.
  • Füllner, G., Pfeifer, M., Sieg, S. & Zarske, A. (1996): Die Fischfauna von Sachsen. Rundmäuler, Fische, Krebse. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Dresden.
  • Füllner, G., Pfeifer, M. & Zarske, A. (2005): Atlas der Fische Sachsens. Rundmäuler – Fische – Krebse. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft & Museum für Tierkunde, Dresden.
  • Geiter, O., Homma, S. & Kinzelbach, R. (2002): Bestandsaufnahme und Bewertung von Neozoen in Deutschland. I. Allgemeines. Umweltbundesamt Texte 25/02: 1-220.
  • Hauer, W. (2007): Fische Krebse Muscheln in heimischen Seen und Flüssen. Leopold Stocker Verlag, Graz & Stuttgart, 231 pp.
  • Hemsen, J. (1964): Die Einbürgerung amerikanischer Salmoniden, insbesondere der Regenbogenforellen, im vorigen Jahrhundert. Österreichs Fischerei 17: 180-183.
  • Hindar, K., Fleming, I.A., Jonsson, N., Breistein, J., Sægrov, H., Karlsbakk, E., Gammelsæter, M. & Dønnum, B.O. (1996): Regnbueørret i Norge: forekomst, reproduksjon og etablering. NINA Oppdragsmelding 454, 32 pp.
  • Holzer, G., Unfer, G., Hinterhofer, M. (2004): Gedanken und Vorschläge zu einer Neuorientierung der fischereilichen Bewirtschaftung österreichischer Salmonidengewässer. Österreichs Fischerei 57: 232-248.
  • Honsig-Erlenburg, W. (2005): Zum Einfluß der Regenbogenforelle und des Bachsaiblings auf Bachforellenpopulationen. Österreichs Fischerei 58: 286-289.
  • Jacob, E. (1928): Gegen die Einbürgerung ausländischer Tiere. Fischerei-Zeitung Neudamm 31: 209-211.
  • Jonsson, N., Jonsson, B., Hansen, L.P. & Aass, P. (1993a): Coastal movement and growth of domesticated rainbow trout (Oncorhynchus mykiss (Walbaum)) in Norway. Ecology of Freshwater Fishes 2: 152-159.
  • Jonsson, N., Jonsson, B., Hansen, L.P. & Aass, P. (1993b): Potential for sea ranching rainbow trout Oncorhynchus mykiss (Walbaum); evidence from trials in two Norwegian fjords. Aquaculture and Fisheries Management 24: 653-661.
  • Jonsson, B. (2006): NOBANIS – Invasive Alien Species Fact Sheet – Oncorhynchus mykiss. Online Database of the North European and Baltic Network on Invasive Alien Species,  http://www.nobanis.org
  • Jungwirth, M., Moog, O. & Winkler, H. (1980): Vergleichende Fischbestandsuntersuchungen an 11 niederösterreichischen Fließgewässerstrecken. Festschrift der Österreichischen Fischereigesellschaft 1880-1980, Wiener Verlag, Himberg, pp. 81-104.
  • Leuner, E., Klein, M., Bohl, E., Jungbluth, J. H., Gerber, J. & Groh, K. (2000): Ergebnisse der Artenkartierungen in den Fließgewässern Bayerns. Fische, Krebse, Muscheln. Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, München.
  • MacCrimmon, H.R. (1971): World Distribution of rainbow trout (Salmo gairdneri). Journal of Fisheries Research Board of Canada 28: 663-704.
  • McDowall, R.M. (1990): New Zealand freshwater fishes: a natural history and guide. Heinemann Reed, Auckland, 533 pp.
  • Mikschi, E. (2002): Fische (Pisces). In: Essl, F. & Rabitsch, W. (eds) Neobiota in Österreich. Umweltbundesamt, Wien, pp. 197-204.
  • Mikschi, E. (2005): Fische. In: Wallner, R.M. (Hrsg.) Aliens. Neobiota in Österreich. Grüne Reihe 15: 133-147.
  • Musseleck, G. (1902): Die Regenbogenforelle, Salmo irideus: Einführung aus Amerika, Aufzucht, Verbreitung und Bewährung in Deutschland und den Nachbarländern. Verlag Fischschutz-Verein, Köln: 116 pp.
  • Nehring, S., Essl, F., Klingenstein, F., Nowack, C., Rabitsch, W., Stöhr, O., Wiesner, C. & Wolter, C. (2010): Schwarze Liste invasiver Arten: Kriteriensystem und Schwarze Listen invasiver Fische für Deutschland und für Österreich. BfN-Skripten, in Druck.
  • Page, L.M. & Burr, B.M. (1991): A field guide to freshwater fishes of North America north of Mexico. Houghton Mifflin Company, Boston. 432 pp.
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5.2 Kontakte

Derzeit ist kein Experte benannt.

Wenn Sie praktische Erfahrungen mit der Art haben, wäre die Redaktion von Neobiota.de für diesbezügliche Informationen dankbar: [ neobiota@bfn.de]

5.3 Autoren

Dieser Artensteckbrief wurde 2010 erstellt von:
Dr. Christian Wiesner, Dr. Christian Wolter, Dr. Wolfgang Rabitsch & Dr. Stefan Nehring  [ neobiota@bfn.de] und ist in BfN-Skripten 279 publiziert worden.