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Was sind Neobiota? Was sind invasive Arten?


Seit 1983 brüten entflogene Chileflamingos im Zwillbrocker Venn (© S. Nehring)
Seit 1983 brüten entflogene Chileflamingos im Zwillbrocker Venn (© S. Nehring)

Neobiota

Impatiens glandulifera - Drüsiges Springkraut (© U. Albrecht)
Impatiens glandulifera - Drüsiges Springkraut (© U. Albrecht)

Neobiota sind Tier- oder Pflanzenarten (Pilze und Mikroorganismen - werden im gesamten Neobiota.de-Angebot zur textlichen Vereinfachung zu den Pflanzen gerechnet), die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern erst durch den Einfluss des Menschen zu uns gekommen sind. Sie gehören daher zu den gebietsfremden oder nichtheimischen Arten - manchmal werden sie wenig zutreffend auch als "Exoten" oder "fremdländische Arten" bezeichnet.

Bei den meisten dieser Tier- und Pflanzenarten ist dies beabsichtigt geschehen, z.B. bei der Einführung von Zier- und Nutzpflanzen wie des
 Drüsigen Springkrauts (Impatiens glandulifera) oder von Jagdwild wie des Waschbären (Procyon lotor). Bei den übrigen Arten erfolgte dies jedoch unbeabsichtigt, z.B. durch die Verschleppung von Pflanzensamen mit Handelsgütern oder von Larvenstadien im Ballastwasser von Schiffen (z.B. Körbchenmuschel, Corbicula fluminea).

Der menschliche Handel und Verkehr spielen für die Einführung von Neobiota eine so wichtige Rolle, dass das Jahr 1492 (Entdeckung Amerikas und der sich mit ihr extrem verstärkende transkontinentale Handel) als "Stichtag" für die Einführung von Neobiota bzw. Neozoen ("Neu-Tiere") und Neophyten ("Neu-Pflanzen") festgelegt wurde.

Gebietsfremde Arten

Procyon lotor - Waschbär (© S. Nehring)
Procyon lotor - Waschbär (© S. Nehring)

Gebietsfremde Arten, die bereits in früheren Zeiten (vor 1492) in unsere freie Natur eingebracht wurden (z.B. mit dem Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit oder durch den Handel der Römer), werden als Archäobiota bzw. als Archäophyten ("Alt-Pflanzen") oder Archäozoen ("Alt-Tiere") bezeichnet.

Gebietsfremde Arten, also Archäo- und Neobiota, sind von den einheimischen Arten (Indigene) abzugrenzen, die in Deutschland seit dem Ende der letzten Eiszeit vorhanden sind, es aus eigener Kraft besiedelt haben oder hier entstanden sind ( Klimawandel). Die Frage, wann und auf welche Weise eine Art zu uns gekommen ist, kann zumeist durch Bestandserhebungen, durch erhaltene Reste in Mooren, Grabbeilagen etc. oder durch historische Quellen beantwortet werden.

Wenn sich gebietsfremde Arten bei uns selbstständig - d.h. ohne Einfluss des Menschen - über mehrere Generationen erhalten, gelten sie als etabliert. Etablierte gebietsfremde Arten, die natürliche oder naturnahe Lebensräume besiedeln und sich deshalb auch ohne menschlichen Einfluss bei uns halten, nennt man Agriophyten bzw. Agriozoen.

 Liste der Agriophyten [pdf 0,9 MB] der TU Berlin

Begriffe zur Einteilung des Artenbestands:

© BfN
Begriffe zur Einteilung der Arten

Invasive Arten

Elodea canadensis - Kanadische Wasserpest (© K. Lauber)
Elodea canadensis - Kanadische Wasserpest (© K. Lauber)

Im Naturschutz werden die gebietsfremden Arten als invasiv bezeichnet, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben. So treten invasive Arten z.B. mit einheimischen Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen und verdrängen diese (siehe auch

 Auswirkungen
 Invasivitätsbewertungen
 Arten-Handbuch
 Neobiota und Naturschutz).

Auch außerhalb des Naturschutzes werden gebietsfremde Arten oftmals als invasiv bezeichnet, wenn sie ökonomische (z.B. Unkräuter wie die  Erdmandel, Cyperus esculentus) oder gesundheitliche Probleme verursachen (wie der Verbrennungen verursachende Saft des  Riesen-Bärenklaus, Hercaleum mantegazzianum 
(siehe auch  Auswirkungen).

In der Wissenschaft wird unter "Invasion" dagegen der gesamte Prozess der Besiedlung eines neuen Gebietes durch gebietsfremde Organismen verstanden, egal ob unerwünschte Auswirkungen vorhanden sind oder nicht (z.B. Heger & Trepl 2008, Natur und Landschaft 83, 399-401;
 Kowarik 2010, Biologische Invasionen, Ulmer Verlag).